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Pulverfass Ägypten - Sechs Jahre nach dem Arabischen Frühling

Zum 6. Jahrestag der ägyptischen Revolution am 25. Jänner 2017 wurde Prof. Dr. Wolfram Reiss in Ö1 interviewt. Das Land gleicht ungeachtet dessen, dass es in den letzten Jahren angesichts der Konflikte in Syrien und Irak und der Flüchtlingswelle 2015 aus den Medien verdrängt wurde, einem Pulverfass. Keines der Probleme, die die Revolution 2011 unter Mubarak auslösten, wurde gelöst. 40.000 Gefangene, Polizeiwillkür, eine massive Zensur und die Unterdrückung aller Opposition und Meinungsfreiheit sowie eine massive Inflation haben die Situation schlimmer gemacht als je unter Mubarak.

Das Interview ist nachzuhören in: Ö1, Praxis – Religion und Gesellschaft, 25. Jänner 2017, 16:00

oe1.orf.at/programm/457731. Ein weiteres Interview zur Geschichte der Muslimbruderschaft ist in: Ö1, Praxis – Religion und Gesellschaft, 1. Februar 2017, 16:00 zu hören. oe1.orf.at/programm/tag/20170201

 

Jüngere Veröffentlichungen zu Entwicklungen in Ägypten in der von Prof. Dr. Wolfram Reiss und Prof. Dr. Ulrike Bechmann herausgegebenen Reihe „Anwendungsoriente Religionswissenschaft“:

  • Bd. 8: Wolfram Reiss (Hg.): Aufstieg und Fall der ägyptischen Muslimbruderschaft 2011–2013, Marburg: Tectum 2016., ISBN 978-3-8288-3678-5, 459 Seiten, € 39,95.
    Ägypten war eines der Länder, das im Arabischen Frühling in das Zentrum der Aufmerksamkeit der Medien rückte. Doch die anfängliche Euphorie für die Revolution schwand schnell. Die Muslimbruderschaft, die trotz zeitweiligen Verbots und Einschränkungen die wichtigste Oppositionsbewegung darstellte, konnte sich im Zuge der Revolution frei entfalten, eine parlamentarische Mehrheit erlangen und den Präsidenten stellen. Massenproteste führten jedoch dazu, dass dieser erste frei gewählte Präsident bereits ein Jahr danach wieder vom Militär gestürzt und durch einen General ersetzt wurde. Ohne großes Aufsehen der Weltöffentlichkeit – Syrien und die Fluchtbewegung nach Europa kamen nun in den Fokus – konnte sich in Ägypten erneut ein Militärregime etablieren, das jegliche Opposition und freie Meinungsäußerung mit eiserner Hand unterdrückt und die einstigen Träume der Revolution in weite Ferne rückt. Die führenden Köpfe der Muslimbruderschaft sind verhaftet, untergetaucht oder emigriert. Aber auch liberale Kräfte, die die Revolution initiierten, sitzen gleichermaßen im Gefängnis oder verlassen Ägypten. Wie ist es dazu gekommen? Wie kam es zum Aufstieg und Fall der Muslimbruderschaft und welche Rolle spielten dabei die Medien? Welche Entwicklungen lassen sich seit 2013 verfolgen? Der Sammelband vereinigt eine zeitgeschichtliche Analyse des FAZ-Korrespondenten Markus Bickel, eine historische Studie von Martina Schmidl zur Frage der Gewaltanwendung gegenüber den Muslimbrüdern und ihrer Haltung zur Gewalt sowie einen Beitrag von Aisha Essam al-Haddad, der Tochter des außenpolitischen Beraters Mursis, zur Darstellung der „Islamisten“ in den ägyptischen Medien. Eines ist sicher: Ägypten bleibt ein Pulverfass und der politische Islam wird weiterhin eine wichtige Rolle spielen.
  • Bd. 11: Matthias Gillé: Der koptische Papst Schenuda III. Beobachtungen zu Theologie und Biografie, Tectum: Marburg 2017, ISBN 978-3-8288-3839-0, 284 Seiten, € 29,95.
    Papst Schenuda III. zählt zu den wichtigsten Kirchenführern der arabischen Welt im 20. Jahrhundert. Er verstarb am 17. März 2012 im Alter von 88 Jahren. Seine Biografie und Theologie haben die Koptisch-Orthodoxe Kirche über 40 Jahre hinweg maßgeblich geprägt. 1990 erhielt er eine Ehrenpromotion der Universität Bonn sowie 2011 den Augsburger Friedenspreis. Matthias Gillé wirft nach einer kurzen Einführung zur koptischen Kirche einen Blick auf das Leben des großen Kirchenführers und entfaltetsodann die Christologie und Soteriologie Schenudas III., die für die ökumenischen Dialoge der Orientalisch-Orthodoxen Kirchen mit westlichen und östlichen Kirchen von zentraler Bedeutung waren. Das Buch richtet sich an Theologen, Historiker, Religionswissenschaftler und all jene, die sich für die Christen in Ägypten interessieren. Für das Verständnis der jüngeren Entwicklungen innerhalb der Koptisch-Orthodoxen Kirche und ihrer Position im ökumenischen Dialog ist die Beschäftigung mit Papst Schenuda III. unerlässlich.

 

 

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