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Das Johannesevangelium und seine ursprünglichen Adressaten (FWF-Projekt P24649-G15)

Mag. Dr. Hans Förster, Projektmitarbeiterin: Mag. Ulrike Swoboda (bis 30.9.2014), Mag. Kerstin Sänger-Böhm (1.9.2014-30.6.2015)

"Joh 18,36-19,4", © Österreichische Nationalbibliothek (Reproabteilung), P.Vindob.K. 9156r

Das Forschungsprojekt entstand im Rahmen des größeren Zusammenhangs der Biblia Coptica, der Erforschung der koptischen Bibelüberlieferung. Derzeit wird an der Universität Wien im Rahmen eines FWF-Projekts (P22017-G15) an der kritischen Edition der sahidischen Version des Johannesevangeliums gearbeitet. Dieses Projekt ist Teil der Arbeiten an der Editio Critica Maior des Johannesevangeliums.

Eine spannende und kontrovers diskutierte Frage, zu der diese Forschungen möglicherweise weitere Argumente beitragen können, ist, für wen das Johannesevangelium ursprünglich verfasst wurde. Das Evangelium selbst scheint widersprüchliche Hinweise zu enthalten. Deswegen wurde in der Forschungsgeschichte sowohl ein eher judenchristlicher Entstehungszusammenhang wie auch eine vorwiegend hellenistische Gemeinde als ursprünglicher Adressat des Evangeliums vorgeschlagen. Übereinstimmung besteht vor allem hinsichtlich der Frage des Entstehungsortes des Evangeliums. Dieser muss außerhalb des Heiligen Landes gelegen haben, wobei meistens Ephesus in Kleinasien als Entstehungsort vorgeschlagen wird.

Es ist offensichtlich, dass es sich hierbei um eine zentrale Frage handelt. Das gilt sowohl für die historische, wie auch für die theologische Forschung. Im Falle einer überzeugenden Antwort auf dieses Problem könnte der Historiker ein Detail der frühchristlichen Geschichte besser verstehen. Dies würde das Verständnis einer entscheidenden Zeit in der Geschichte des frühen Christentums vertiefen – und gerade für diese Anfangszeit sind noch immer zahlreiche Details unbekannt. Für die theologische Forschung bedeutet eine bessere Kenntnis der vom Verfasser des Johannesevangeliums vorausgesetzten ursprünglichen Leser und Hörer des Textes eine wichtige Information für ein besseres Verständnis des Textes.

Das vorgeschlagene Forschungsvorhaben zielt auf eine Verbindung einer linguistischen Analyse (Kollokationsanalyse) mit einer breiten textkritischen Untersuchung der Überlieferung des Johannesevangeliums ab. Grundlage der textkritischen Untersuchung wird neben der griechischen Überlieferung das Lateinische und das Koptische sein. Diese beiden frühen Übersetzungen können einerseits handschriftliche Überlieferungen des Griechischen bezeugen, die verloren gegangen sind, können möglicherweise aber andererseits auch und gerade in ihrer Übersetzungstechnik wichtige Hinweise auf das geben, was der Verfasser des Johannesevangeliums an Wissen bei seinen Lesern vorausgesetzt hat. Aufgrund neuer, elektronischer Hilfsmittel ist die handschriftliche Überlieferung heute viel besser zugänglich als noch vor wenigen Jahren. Dadurch soll das Forschungsprojekt weitere Argumente zur Frage, welches Wissen vom Verfasser des Johannesevangeliums für seine ursprünglichen Leser vorausgesetzt worden ist, liefern, um wichtige zusätzliche Argumente für die Diskussion einer bisher ungelösten Frage hinsichtlich des Johannesevangeliums bieten zu können.

Laufzeit: Juli 2012-Juni 2015

    • Mag. Ulrike Swoboda
    Evangelisch-Theologische Fakultät
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