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Die Formation des westlichen Christentums im frühen Mittelalter – oder: Übersehene Fundamente Europas

Prof. Dr. Uta Heil, Prof. Dr. Volker Henning Drecoll


Uta Heil
Uta Heil

Die Entstehung eines Kulturraums in West- und Mitteleuropa ist mit der Entwicklung einer spezifischen Form des Christentums („Christliches Abendland“) eng verknüpft. Sich darüber zu verständigen, worin das Profil dieser christlichen Grundierung besteht, ist in einer Zeit, in der das Christentum gesellschaftlich zunehmend erodiert und andere Religionen, besonders der Islam, die klassischen Identitätsprozesse europäischer Gesellschaften modifizieren, von eminenter gesellschaftlicher und politischer Bedeutung.

Das Projekt will diese Debatte um eine neue Perspektive bereichern, die erstens davon ausgeht, dass die Zeit zwischen 450 und 650 n.Chr. für die Formation des westlichen Christentums entscheidend war. Es waren spätere Autoren nach dem Tod von Augustinus (430), die nach der zunehmenden Trennung vom griechischen Kulturraum zwischen 450 und 650 n.Chr. eine eigenständige westliche, lateinische christliche Tradition in Theologie, Kultus und Geschichte ausbildeten

Zweitens ist zu beachten, dass die christliche Prägung des westeuropäischen Kulturraums nicht allein durch den Verweis auf die traditionellen Parameter „Institutionen“ (Papsttum, Klosterwesen) und „Frömmigkeit“ beschrieben werden kann. Vielmehr ist zusätzlich nach der inhaltlichen Prägung dessen zu fragen, was „westliches Christentum“ eigentlich ausmacht. Die theologischen Debatten und die literarischen Methoden der Autorisierung standen bislang jedoch nicht im Focus der Forschung.

Die forschungsgeschichtliche Bedeutung eines solchen Neuansatzes wird klar, wenn man bedenkt, dass bis weit ins 20. Jh. hinein die problematische These einer „Germanisierung des Christentums“ favorisiert wurde, teilweise auch in ideologischer Verwendung der Vorstellung von einem „Volk“. Während die Perspektive wandernder Germanenvölker in der Geschichtswissenschaft, die sich in den letzten Jahren bereits intensiv mit dieser Zeit befasst hat, längst aufgegeben ist, fehlt eine neue theologische Deutung der damit einhergehenden Formationsprozesse des Christentums. Für die Frage der Entstehung des westlichen Christentums sind die Ergebnisse der allgemeinen Geschichtsforschung nur ansatzweise ausgewertet worden.

Gefördert von der Volkswagenstiftung für 2016/2017

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