Stellungnahme der ETF

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Die Evangelisch-Theologische Fakultät der Universität Wien verurteilt den Missbrauch der Bibel durch Donald J. Trump im Zusammenhang der Auseinandersetzungen um Rassismus in den USA.

Die Bibel wie ein Feldzeichen zu verwenden und sich als angeblichen Beschützer der Christen mit der Bibel in der Hand vor einem Kirchengebäude zu inszenieren – das zerstört die biblische Botschaft der Nächstenliebe, Feindesliebe und Barmherzigkeit. Die Bibel so als ein Symbol zu gebrauchen, um Gewalt zu rechtfertigen, ist die Wiederholung eines fatalen Fehlgriffs, der zu Leid und Unterdrückung über Jahrhunderte beigetragen hat. Zu oft schon wurden im Namen der Bibel oder im Namen des christlichen Gottes Gewalt gerechtfertigt, Kriege geführt und Verurteilungen ausgesprochen. Wir als theologische Forscherinnen und Forscher distanzieren uns daher von dieser missbräuchlichen Verwendung der Bibel.

Unser Anliegen ist es, im weltweiten Dialog die biblischen Texte sowie ihre Wirkungsweisen in Geschichte und Gegenwart zu untersuchen. Die Geschichte des Missbrauchs der Bibel zur Begründung rassistischer Vorurteile und zu politischer Inszenierung ist kritisch aufzuarbeiten, um den dahinterstehenden Mechanismen, wie sie leider in dieser Aktion von Donald Trump wieder erkennbar wurden, vorzubeugen.

Zugleich sind wir bemüht, die alle Spaltungen überschreitende Botschaft von Gottes Liebe, die sich in der Bibel des Alten und des Neuen Testaments gleichermaßen findet, vor denen zu verteidigen, die sie leugnen. Christen und Christinnen aus allen Gesellschaftsteilen, jeder Hautfarbe und jeder Herkunft, haben aus der Bibel gelernt, Menschen ohne Unterschiede als Geschöpfe Gottes zu respektieren und ihnen in Liebe zu begegnen. Rassismus und Antisemitismus können sich nicht auf die Bibel berufen.