Dissertationsprojekt
Die Menschheitsgeschichte ist durchzogen von Herrscherstürzen. Als Anfang Dezember 2024 das Assadregime in Syrien gestürzt wurde sah man Bilder des Diktators auf der Straße liegen – Assad war gefallen, seine Bilder symbolisch mit ihm: abgerissen, hingeworfen, zertrampelt. Dies zeigt, wie aktuell die Sehnsucht nach dem Fall eines Herrschers, bis heute ist.
Einen solchen Sturz eines Herrschers, in dem es um „Vernichtung, Verdammung, Verdrängung, »Entsorgung« … die Befreiung von Vergangenheit…“ 1 geht, erzählen die Texte aus Jes 14, Ez 28 und 31und äußern auf diese Weise die Sehnsucht nach „Befreiung aus einer erbarmungslosen und gotteslästerlichen Tyrannei“.2 In stark mythologisch geprägten Bildern beschreiben die drei Texte, wie der jeweils zu Beginn genannte Herrscher für seine Selbsterhebung respektive Hybris bestraft wird. Sein Sturz reicht bis hin ins Totenreich, wo er sein endgültiges Ende findet – eingeschlossen seiner Nachkommen und jeder Form von Erinnerung an ihn. Bei allen drei Texten handelt es sich, wenn auch bei Ez 31 nur eingeschränkt,3 um Klagelieder,4 die in Folge ihres Inhalts zu Spottliedern werden. Sie enthalten darüber hinaus zahlreiche Parallelen untereinander und weisen zudem noch Verbindungen zu Gen 2–3 auf.
Trotz dieser signifikanten Schnittmengen sind die drei Texte in der Forschungsgeschichte kaum miteinander ins Verhältnis gesetzt worden. Davon ausgehend, dass die drei Texte jedoch entstehungsgeschichtlich miteinander verbunden sind, werden gemeinsame Hintergründe ihrer Genese erforscht.
Anmerkungen:
1 Speitkamp, Denkmalsturz, 9.
2 Beuken, Jesaja 13–27, 107.
3 Vgl. Zimmerli, Ezechiel, 750f.
4 Jesaja 14 trägt als Selbstbezeichnung den Begriff מָּשָׁל, der häufig als „Gleichnis“ übersetzt wird (vgl. Beuken, Jesaja 13–27, 246), weist aber eine verhältnismßig strenge Orientierung an der Form des Klageliedes auf und verkörpert dieses so. Vgl. Kaiser, Prophet, 20; Jahnow, Leichenlied, 242; Wildberger, Jesaja, 537.539ff.; Yee, Anatomy, 573f.