Anlass des Projektes ist die Beobachtung, dass religionsbezogene Fragestellungen in der sozialwissenschaftlichen Kindheitsforschung zu wenig beachtet werden. Zwar gibt es nicht wenig religionspädagogische Beiträge, die konkrete religiöse Vorstellungen von Kindern und Jugendlichen beschreiben (z.B. in der Kinder- und Jugendtheologie, z.T. auch in der islamischen Religionspädagogik), dies geschieht aber meist nicht aus einer sozialisationstheoretischen Perspektive heraus.
Ziel des Projektes ist es daher, empirisch zu erforschen, ob und wie Kinder aus verschiedensten religiösen und säkularen Kontexten Religion, Glauben und weltanschauliche Pluralität in ihrer sozialen Umgebung erfahren und auf ihre Relevanz hin deuten. Offen ist, von welchen religiösen Vorstellungen, Erfahrungen und Handlungen sich Kinder unterschiedlicher religiöser Zugehörigkeiten, Nationen und Lebenssituationen warum leiten lassen. Ein drittes Anliegen besteht darin, das sozialwissenschaftliche Konstrukt von Kind und Kindheit um die religions- und sinnbezogene Dimension zu erweitern.
Dies geschieht mit Hilfe eines qualitativ ausgerichteten Forschungsdesigns: Die Datenerhebung erfolgt durch semistrukturierte Interviews. Das Sample ist heterogen zusammengesetzt: Befragt wurden Kinder unterschiedlicher christlicher Konfessionen und Denominationen, Kinder aus säkular orientierten Familien sowie Kinder mit jüdischem und muslimischem Hintergrund. Geachtet wurde auf eine ausgewogene Verteilung hinsichtlich Geschlecht, regionaler Herkunft (Stadt – Land) sowie sozio-ökonomischem Status. Die Datenauswertung geschieht mit Hilfe der Qualitativen Inhaltsanalyse.
Nach ersten Veröffentlichungen und der internationalen Tagung im November 2024 werden die Ergebnisse in drei Open-Access-Bänden (Tagungsband, Auswertungsband, Quellenband) 2026 bei transcript publiziert.
Bisherige Veröffentlichungen:
- Kinder und ihre religionsbezogenen Perspektiven? Theoretische und methodische Erkundungen. In: Peter, K. (Hrsg.): “Religiöse Vorstellungen von SchülerInnen: Perspektiven – Forschungsprojekte – Konsequenzen”. Stuttgart (zus. m. Stockinger, H.), 2024, S. 127-154.
- “Weil jeder an alles glauben kann, was er will” – Einstellungen von Kindern zur Wahrheitsfrage im Rahmen einer Interviewstudie in Deutschland, Österreich und der Schweiz. In: Theo-Web. 21 (2022) H. 2, S. 331–351 (zus. m. Witten, U./Lorenzen, St./Stockinger, H.).
- Tod aus der Sicht von SchülerInnen.
Empirische Einblicke und religionsdidaktische Perspektive, in: Wenn der Tod im Klassenzimmer ankommt: Tod und Trauer in der Schule - (religions-) pädagogische Perspektiven / Christiane Caspary/Daniela Zahneisen (Hrsg.), Stuttgart: Kohlhammer, S. 225-238.
Durchführung: Prof. Dr. Susanne Schwarz (Universität Wien), Prof. Dr. Ulrike Witten (LMU München), Prof. Dr. Stefanie Lorenzen (Universität Bamberg), Prof. Dr. Helena Stockinger (KU Linz); Beratung: Bruno Landthaler (Frankfurt), Prof. Dr. Fahimah Ulfat (Universität Münster)