Die These fängt damit an, dass sich aus Rousseaus Oeuvre zwei systematische Schlüsselstellen herausarbeiten lassen: erstens die Rolle Jesu in Rousseaus politischer Theologie, und zweitens die Rolle, die Rousseaus Oper Le Devin du village im theologischen Narrativ seiner Autobiografie einnimmt. Meine Erörterung beinhaltet, dass sich diese beiden Rollen parallelisieren lassen. Ich werde argumentieren, dass sich diese Parallele ergibt, wenn Rousseaus zivilisationshistorisches Denken im Kontext seiner Zeit analysiert wird. Zentraler Topos in seinem intellektuellen Umfeld sind neben dem augustinistischen Gnadenstreit die antik-römische Zivilisationsgeschichte und die Bedeutung Jesu in derselben. Der kulturhistorische Ansatz meiner Studie führt darüber hinaus zum Ausblick, inwiefern Rousseaus politische Theologie die jakobinische Phase der Französischen Revolution prägte.
Rousseaus Oper und Jesus. Hugenottische Geschichte einer römischen Zivilisation und ihrer Revolution
Andreas Burri
Nicolas Henri Jeaurat De Bertry: Revolutionäre Allegorie