Der Lehrstuhl für Reformierte Theologie an der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien

Geschichtlicher Überblick

1819 entschied Kaiser Franz II., getrennt von der Universität in Wien, „ein vollständiges protestantisch-theologisches Studium für die Augsburgische und Helvetische Konfession“1 zu errichten. Zu klären war, welche Disziplinen für beide Konfessionen gemeinsam und welche getrennt zu unterrichten seien. In einem gemeinsamen Gutachten erklärten der lutherische Superintendent Johann Wächter und der reformierte Superintendent Justus Hausknecht im August 1819, auf jeden Fall müssten für das Studium der Dogmatik „zwey verschiedene Lehrkanzeln errichtet werden. Sollten indessen S. Majestät in Betreff der Exegese ebenfalls zwey abgesonderten Lehrkanzeln zu genehmigen geruhen: so würde dies unstreitig viel dazu beytragen, desto mehr Zutrauen für die neu zu errichtende Lehranstalt bey beyderlei Glaubensgenossen zu erwecken.“2 Die übrigen theologischen Fächer könnten wahlweise von einem lutherischen oder einem reformierten Theologen unterrichtet werden, da hier die konfessionellen Lehrunterschiede nicht so sehr ins Gewicht fielen. Der Kaiser folgte den Empfehlungen. 1822 wurde die Lehrkanzel für Reformierte Theologie erstmalig besetzt. Wie der lutherische Lehrstuhl für Systematische Theologie ist sie auch im Protestantengesetz von 1961 ausdrücklich festgeschrieben.

Wie der lutherische Lehrstuhl für Systematische Theologie vertritt auch der Lehrstuhl für Reformierte Theologie die Systematische Theologie in Forschung und Lehre in der gesamten Breite des Faches. Die reformierte Tradition des Protestantismus wird weiterhin besonders gepflegt. Ein Schwerpunkt in Forschung und Lehre ist seit Anfang der 1990er-Jahre die Ethik und hier insbesondere die Medizin- und Pflegeethik in Verbindung mit dem 1993 gegründeten Institut für Ethik und Recht in der Medizin der Universität Wien.


1 Zitiert nach: Peter Karner, Der reformierte Lehrstuhl der evangelisch-theologischen Fakultät in Wien, in: ders. (Hrsg.), Die evangelische Gemeinde H.B. in Wien, Wien 1986, 177 –187, hier 177.

2 Ebd.

Lehrstuhlinhaber seit 1822

Die nachfolgende Darstellung fußt auf einer Zusammenstellung, die Univ.-Prof. Dr. Dr. h.c. Karl W. Schwarz freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat.

János von Patay

*4.6.1778 in Jánosi/Komitat Gömör, heute Rimavské Janovce/Slowakei

+25.12.1854 in Várpalota/Komitat Veszprém (Ungarn)

Patay verstand sich nicht als Dogmatiker oder Systematischer Theologe, sondern als reformierter Fachvertreter der beiden biblischen Fächer AT und NT, die – wie bereits oben erwähnt – an der Protestantischen Lehranstalt konfessionell differenziert vorgetragen wurden.

Publikationen: Halotti oratio nehai Tekintetes Ragalyi Katalin asszony felett (1811); A halálon diadalmat nyert élet (1815); Commentatio philologico-critica de origine et elementis Hellenismi Sacri scriptorum oraculorum divinorum Novi Foederis (1828).

Gábor von Szeremlei

*4.12.1807 in Disznós-Horvát/Ungarn

+26.2.1867 in Sárospatak

Szeremlei wurde mit Entschließung vom 12.8.1851 zum Professor für Dogmatik H.C. [Helvetische Confession] berufen und wirkte bis zu seiner Berufung an die Reformierte Akademie in Sárospatak am 6.9.1856. Dr.theol. h.c. Wien (1861).

Publikationen: Hegel, a mint van [Hegel, wie er ist] (1838); Az új philosophia szellemvilági fejletében [Die neue Philosophie in ihrer geistigen Entwicklung] (1841); A protestantismus elve [Das Prinzip des Protestantismus] (1857); Ker. Vallástudomány [Christliche Religionswissenschaft] I-III (1859-1862); Tájékozás a feltámadás tárgyában felmerült vitatkozások terén [Orientierung über die Fragen, die in Sachen Auferstehung entstanden sind] (1863).

Lehrstuhlvakanz

1856–1864

Eduard Böhl

© Archiv der Universität Wien

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*18.11.1836 in Hamburg

+24.1.1903 in Wien

Böhl wurde mit Entschließung vom 12.1.1864 zum Professor für reformierte Dogmatik und Symbolik berufen. Sein Lehrauftrag umfasste aber auch biblische Theologie, Apologie des Christentums, Religionsphilosophie und Pädagogik, sodass er auch Studenten A.B. unterrichtete. Wegen der Konversion mehrerer lutherischer Studenten zur Kirche H.B. wurde ihm der Vorwurf des Proselytismus gemacht. Dr. phil. (Erlangen 1860), Lic. theol. (Basel 1861), Dr. theol. h.c. (Wien 1865).

 

Publikationen: De Aramaismis libri Kohelet. Dissertatio historica et philologica, quo librum Salomoni vindicare conatur (Erlangen 1860); Vaticinium Jesaiae cap. 24–27 (Leipzig 1861); Zwölf messianische Psalmen. Nebst einer grundlegenden christologischen Einleitung (Basel 1862); Die Zweite Helvetische Confession. Eine Antrittsrede, (Wien 1864); Confessio Helvetica Posterior olim ab Henrico Bullingero (…) ad fidem editionis principis (…), (Wien 1866); Allgemeine Pädagogik (Wien 1872); Die alttestamentlichen Citate im Neuen Testament (Wien 1878); Christologie des Alten Testaments oder Auslegung der wichtigsten messianischen Weissagungen (Wien 1882); Dogmatik. Darstellung der christlichen Glaubenslehre auf reformiert-kirchlicher Grundlage (Amsterdam 1887; Neuauflage Neuhausen-Stuttgart 1995); Recent Dogmatic Thought Among the Protestants in Austria-Hungary, in: PRR 2/5 (1891)1–29; Beiträge zur Geschichte der Reformation in Österreich. Hauptsächlich nach bisher unbenützten Aktenstücken des Regensburger Stadtarchivs (Jena 1902).

Carl Alphons Witz-Oberlin

© Archiv der Universität Wien

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*8.11.1845 in Diedendorf/Elsaß

+13.12.1918 in Wien

Witz-Oberlin war seit 1874 Pfarrer an der Reformierten Stadtkirche Wien und geistlicher Oberkirchenrat. Mit Entschließung vom 25.9.1908 erhielt er den Berufstitel ao. Universitätsprofessor und nahm einen Lehrauftrag für praktische Exegese, Missionsgeschichte und reformierte Symbolik wahr und supplierte von 1908–1913 den Lehrstuhl für reformierte Dogmatik, nachdem Böhls Wunschkandidat für seine Nachfolge Sándor Venetianer (1853– 1902) vom Professorenkollegium abgelehnt worden und der an seiner Stelle als Nachfolger vorgeschlagene Bohumil Mareš (1851–1901) noch vor dem Dienstantritt verstorben war.

Publikationen: Die 2. Helvetische Confession, Klagenfurt 1881; Der Heidelberger Katechismus, Wien 1896; Calvin, der Unionsmann, Heidelberg 1910; Was soll und muß uns die Bibel im kommenden Frieden werden? Vortrag gehalten im großen Konzerthause, Wien III, Lothringerstraße 20, am 23. September 1917 anläßlich der Reformationstagung des Evangelischen Zentralvereins für innere Mission, Wien 1917.

Josef Bohatec

© Archiv der Universität Wien

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* 26.1.1876 in Kochov/Mähren

+ 6.6.1954 in Weidenau/Siegen

Bohatec wurde 1913 zum ao. Prof. und 1916 zum o. Prof. berufen. Eine Berufung nach Prag lehnte er 1918 ab und wirkte bis zum Ende des Studienjahres 1946/47, mit dem er emeritiert, aber zugleich als Honorarprofessor bestellt wurde, als der er die Lehrkanzel bis 31.1.1951 supplierte. 1919 wurde seine Lehrverpflichtung auf das Kirchenrecht, Philosophie und Pädagogik ausgeweitet, doch supplierte er auch kirchengeschichtliche und biblische Vorlesungen. Dr. phil. Prag (1903), Lic. theol. Wien (1905), Dr. theol. h.c. Bonn (1913), Dr. jur. h.c. Amsterdam (1950), Dr. theol. h.c. Wien (1951).

Publikationen: Die Cartesianische Scholastik in der Philosophie und Reformierten Dogmatik des 17. Jahrhunderts, Leipzig 1912 (= Habilitationsschrift Bonn 1913); Calvin und das Recht, Feudingen 1934; Calvins Lehre von Staat und Kirche mit besonderer Berücksichtigung des Organismusgedankens, Breslau 1937 (Neudruck Aalen 1968); Die Religionsphilosophie Kants in der „Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft“. Mit besonderer Berücksichtigung ihrer theologisch-dogmatischen Quellen, Hamburg 1938; Budé und Calvin. Studien zur Gedankenwelt des französischen Frühhumanismus, Graz 1950; Der Imperialismusgedanke und die Lebensphilosophie Dostojewskis. Ein Beitrag zur Kenntnis des russischen Menschen, Graz/Köln 1951; posthum: England und die Geschichte der Menschen- und Bürgerrechte. Drei nachgelassene Aufsätze, hrsg. von Otto Weber, Graz/Köln 1956.

Johann Karl Egli

© Peter Karner [Hg.] (1986). Die evangelische Gemeinde H.B. in Wien. (Tafel 18)

© Peter Karner [Hg.] (1986). Die evangelische Gemeinde H.B. in Wien. (Tafel 18)

* 29.9.1891 in Wien

+ 3.10.1975 in Wien

1952 wurde Egli zum ordentlichen Professor für Systematische Theologie und Kirchenrecht an die Wiener Fakultät berufen. Zuvor war er von 1924–1926 Pfarrer in Wien-West, 1926–1952 Pfarrer in Wien-Innere Stadt, ab 1947 Superintendent und ab 1949 Landessuperintendent der Ev. Kirche H.B. gewesen. Dr. theol. Wien 1950.

Publikationen: Jean-Jacques Rousseau in theologischer Sicht, theol. Diss. Wien 1950; D.Dr.Dr. Josef Bohatec – Der Mann und sein Werk, in: JGPrÖ 71 (1955) 23–65.

Predigten – Artikel – Vorträge 1926-1972, hrsg. von Peter Karner, Wien 1976.

Kurt Lüthi

© Peter Karner [Hg.] (1986). Die evangelische Gemeinde H.B. in Wien. (Tafel 20)

© Peter Karner [Hg.] (1986). Die evangelische Gemeinde H.B. in Wien. (Tafel 20)

* 31.10.1923 in Ried bei Wasen/Kanton Bern

+11.6.2010 in Wien

Lüthi wurde 1955 in Basel promoviert. Die Habilitation erfolgte 1959 in Bern. Von 1949 bis 1964 war Lüthi Pfarrer in Beatenberg/Kanton Bern, Biel. 1964 wurde er auf den reformierten Lehrstuhl in Wien berufen und wirkte an der Fakultät bis zu seiner Emeritierung 1990.

Publikationen: Judas Iskarioth in der Geschichte der Auslegung von der Reformation bis zur Gegenwart, Zürich 1955; Gott und das Böse. Eine biblisch-theologische und systematische These zur Lehre vom Bösen, entworfen in Auseinandersetzung mit Schelling und Karl Barth, Zürich 1961; Kurt Lüthi/Wilhelm Dantine (Hrsg.), Theologie zwischen gestern und morgen. Interpretationen und Anfragen zum Werk Karl Barths, München 1968; Gottes neue Eva. Wandlungen des Weiblichen. Stuttgart 1978; Feminismus und Romantik. Sprache, Gesellschaft, Symbole, Religion, Wien/Köln/Graz 1985; Kurt Lüthi/Koloman N. Micskey (Hrsg.), Theologie im Dialog mit Freud und seiner Wirkungsgeschichte, Wien 1991; Mut zum fraglichen Sein. Wege eines Theologen zu zeitgenössischer Kunst und Literatur, Wien 1996;

Christliche Sexualethik. Traditionen, Optionen, Alternativen, Wien 2001; Theologie als Zeitgenossenschaft. Lebenserinnerungen, Wien 2009.

Ulrich H.J. Körtner

*16.4.1957 in Hameln

Nach Studium, Assistentenzeit an der Kirchlichen Hochschule Bethel, Pfarramt in Bielefeld und Tätigkeit als Studienleiter an der Evangelischen Akademie Iserlohn wurde Körtner 1992 als o. Universitätsprofessor nach Wien berufen. Die Promotion erfolgte 1982, die Habilitation 1987, beides an der Kirchlichen Hochschule Bethel (Bielefeld). Rufe nach Wuppertal, Münster und Bonn lehnte er ab. Neben seinem Lehrstuhl ist er seit 2001 Vorstand des Instituts für Ethik und Recht in der Medizin der Universität Wien, das in Kooperation mit der Medizinischen Universität Wien besteht. 2010 Dr.theol. h.c. Paris, 2013 Dr. theol. h.c. Debrecen.

Publikationen: Papias von Hierapolis. Ein Beitrag zur Geschichte des frühen Christentums, Göttingen 1983; Weltangst und Weltende. Eine theologische Interpretation der Apokalyptik, Göttingen 1988; Grundkurs Pflegeethik, Wien 2017; Dogmatik, Leipzig 2018; Ökumenische Kirchenkunde, Leipzig 2018; Evangelische Sozialethik. Grundlagen und Themenfelder, Göttingen 42019.

Profile, Programme, Impulse

Mit Eduard Böhl, der von Haus aus Alttestamentler war, wurde ein profilierter Vertreter des Neocalvinismus nach Wien berufen. Böhl, der ursprünglich Lutheraner war, konvertierte zum Reformiertentum. Karl Barth hat von ihm gesagt, er sei „wie sein Lehrer und Schwiegervater Hermann Kohlbrügge ein reformierter Hyperlutheraner“ gewesen, habe er doch die Rechtfertigungslehre als protestantisches Zentraldogma herausgestrichen. Der Neocalvinismus war eine Strömung zwischen 1870 und 1920, in der sich ein orthodoxer Calvinismus mit Kritik an der Moderne ebenso wie mit Tendenzen verband, für das moderne Zeitbewusstsein aufgeschlossen zu sein. Sie nahm ihren Ausgangspunkt in den Niederlanden. Wichtige Vertreter waren Abraham Kuyper (1837–1920) und Herman Bavink (1854–1921), in Deutschland Hermann Friedrich Kohlbrügge (1803-1875) und Adolf Zahn (1834-1900). Der Neocalvinismus verstand sich als eine christlich geprägte Weltanschauung, die Kultur und Gesellschaft durchdringen sollte und sich dabei an den Reformatoren des 16. Jahrhunderts orientierte. Kuyper war nicht nur maßgeblich an der Entstehung der Gereformeerde Kerken in den Niederlanden beteiligt, die sich von der Hervormde Kerk abspaltete. Er engagierte sich auch als Journalist und Politiker. Von 1901 bis 1905 war er niederländischer Ministerpräsident. Böhls Schwiegervater Kohlbrügge war Pastor der Niederländisch-reformierten Gemeinde in Elberfeld, wo auch Böhl zeitweilig wirkte und übte durch seine Predigten großen Einfluss aus. Als Gegner des Unionsgedankens unterstützte Böhl Bemühungen um eine reformierte (Re-)Konfessionalisierung. Er profilierte sich als Gegner der liberalen Theologie und der Moderne, der auch die historisch-kritische Methode der Religionsgeschichtlichen Schule bekämpfte. Böhls Dogmatik findet bis heute Anklang im Bereich evangelikaler Theologie. 1995 wurde sie mit einer Einleitung des reformierten evangelikalen Theologen Thomas Schirrmacher neu aufgelegt.

Dem Neocalvinismus ist auch Josef Bohatec zuzurechnen, der als Calvinforscher, aber auch durch seine historische Arbeit zur Religionsphilosophie Kants hervorgetreten ist. Anlässlich seiner Promotion zum Ehrendoktor der Universität Wien hielt er eine programmatische Rede über „Christentum und Kultur“ (Amt und Gemeinde 5,1951, 76–79). In ihr erläuterte er noch einmal die Absicht, die ihn bei seinen historischen Studien geleitet hat, „zwar nicht aus der Geschichte, wohl aber an der Geschichte meine Welt- und Lebensanschauung aufzubauen“ (76). Grundeinsichten des christlich geprägten französischen Frühhumanismus verpflichtet, stellte Bohatec dem als „dämonisch“ bezeichneten „Säkularismus (78) das Grundprinzip entgegen, „daß zur Vollständigkeit einer wahren Kultur die christliche Religion und Ethik unentbehrlich ist“ (ebd.). Seine historischen Studien zum Recht bei Calvin, seinen Beziehungen zum Humanismus und zu seiner Lehre von Staat und Kirche sind bis heute Standardwerke der Calvinforschung. Bleibende Bedeutung haben auch die Leistungen von Bohatec auf dem Gebiet des Kirchenrechts.

Während Johann Karl Egli, der nach Beendigung seiner kirchlichen Tätigkeit für ein Jahrzehnt den reformierten Lehrstuhl innehatte, abgesehen von seiner Dissertation über Jean-Jacques Rousseau in theologischer Sicht (1950) nicht durch größere wissenschaftliche Veröffentlichungen hervorgetreten ist, wurde mit Kurt Lüthi ein durch die Theologie Karl Barths geprägter Systematiker auf den Lehrstuhl für Reformierte Theologie berufen. Damit endete die neocalvinistische Tradition an der Wiener Fakultät. Die Schwerpunkte der Theologie Lüthis lagen auf den Feldern der politischen Ethik, der Feministischen Theologie, dem Dialog zwischen Theologie und Kunst sowie dem Gespräch zwischen Theologie und Psychoanalyse. Lüthi engagierte sich auch im christlich-jüdischen Dialog und in der Ökumene. Gemeinsam mit seinem lutherischen Kollegen Wilhelm Dantine, dem katholischen Pastoraltheologen Ferdinand Klostermann und Monsignore Otto Mauer gründete Lüthi 1965 den „Ökumenischen Arbeitskreis“. 1970 wurde er zum Ehrenmitglied der Stiftung Pro Oriente ernannt. Im Rahmen der politischen Ethik engagierte sich Lüthi auch im christlich-marxistischen Dialog. Aus seinem umfangreichen Gesamtwerk sei besonders seine 2001 erschienene Sexualethik erwähnt, in der die verschiedenen Stränge seiner interdisziplinären Forschungsarbeit zusammenlaufen. Letztlich versteht Lüthi seine Sexualethik als einen befreiungstheologischen Entwurf im Kontext der westlichen Moderne.

Der gegenwärtige Lehrstuhlinhaber gehört zu den Vertretern einer Hermeneutischen Theologie in der Tradition Rudolf Bultmanns und seiner Schüler. Neben der Fundamentaltheologie und der Hermeneutik liegen seine Forschungsschwerpunkte auf dem Gebiet der Ethik, besonders der Medizinethik und Pflegeethik, sowie auf den Feldern der Diakonie, der ökumenischen Theologie, der Eschatologie und der Apokalyptik.