Edition von Paul Tillichs Reisetagebuch 1936

Vom 11. April bis zum 19. September 1936 bereist der 1933 in die USA emigrierte Paul Tillich weite Teile Europas. Vordergründiger Anlass sind die Vorbereitungen der ökumenischen Weltkonferenz der Kirchen in Oxford im Jahr 1937. Tillich nutzt die Einladung zur Mitwirkung an dieser Konferenz für eine ausgedehnte Reise durch Großbritannien, Frankreich, Belgien, Niederlande, Schweiz und andere Länder, um Freunde und Familie wiederzusehen, alte Kontakte aufrechtzuerhalten, neue Kontakte zu knüpfen und zu guter Letzt auch um seinen 50. Geburtstag in Ascona zu feiern. Den gesamten Aufenthalt hält er dabei in einem Reisetagebuch fest, in das er (mit wenigen Ausnahmen) täglich einträgt. Resultat ist ein hochinteressanter und vielschichtiger Text, der einerseits einen privateren Einblick gibt in das Leben und Denken Paul Tillichs, andererseits ein bedeutendes Dokument zur Bildung und Funktion von Intellektuellennetzwerken im Allgemeinen sowie von Tillichs Emigrationsarbeit im Besonderen darstellt. So trifft er auf seiner Reise u.a. Persönlichkeiten wie Theodor W. Adorno, Karl Barth, Walter Benjamin, Emil Brunner, Hermann Kantorowicz, Else Lasker-Schüler, Kurt Riezler oder auch Kagawa Toyohiko.

Abgesehen von einem kurzen Auszug im fünften Ergänzungsband der Gesammelten Werke Paul Tillichs ("Ein Lebensbild in Dokumenten", EW V, 254‒274) ist das Reisetagebuch bisher im deutschen Original unveröffentlicht geblieben. Das von der Fritz Thyssen Stiftung geförderte Projekt nimmt nun eine umfangreiche kritische Edition in Angriff, die u.a. auch ein umfangreiches biographisches Namensverzeichnis beinhalten wird.

 

Projektleitung: Prof. Dr. Christian Danz

Projektmitarbeiter: Friedrich Schumann

Kooperationspartner

  • Prof. Dr. Friedrich Wilhelm Graf (München)