Edition des Bandes I 14 der Historisch-kritischen Ausgabe der Schriften F.W.J. Schellings (FWF Projekt P 25900-G15)

Editionsprojekt in Zusammenarbeit mit dem Schelling-Archiv der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, gefördert vom FWF. Der Wissenschaftsfonds.

 

Im Rahmen des Projekts werden an der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien fünf Werke von Friedrich Wilhelm Joseph Schelling (1775-1854) aus den Jahren 1802 bis 1805 ediert.

Die 1802 erstmals gehaltenen und 1803 im Druck veröffentlichten „Vorlesungen über die Methode des akademischen Studiums“ stellen eines der bekanntesten Werke Schellings dar. Die gleichnamigen Vorlesungen hielt Schelling über einen Zeitraum von fast dreißig Jahren an den Universitäten Jena, Würzburg und München ab, die sich zum Zeitpunkt des Vortrags jeweils in einer Phase der Umstrukturierung oder der Neuorganisation befanden. Die Vorlesungen verstehen die Universität als lebendigen Organismus der Wissenschaften, in dem jeder Disziplin Selbständigkeit und Absolutheit für sich zukommt. In die Darstellung der einzelnen Wissenschaften sind deren Modernisierungen bis 1800 eingeschrieben. Von starker Wirkung auf die Herausbildung der historischen Theologie, des Historismus wie des Staats- und Rechtsdenkens des 19. Jahrhunderts waren die Vorträge über die Theologie und die Geschichtswissenschaft. Die Edition der Vorlesungen zeichnet im Editorischen Bericht erstmals die umfangreiche Rezeptionsgeschichte des Werks nach, während die erklärenden Anmerkungen die Kontexte offen legen, die in den Darstellungen der einzelnen Wissenschaften vorausgesetzt sind oder von Schelling angedeutet werden.

An zweiter Stelle wird Schellings Übersetzung eines Sonetts des italienischen Dichters Francesco Petrarca wiedergegeben, die in August Wilhelm Schlegels Werk »Blumensträuße italiänischer, spanischer und portugiesischer Poesie« von 1803 anonym veröffentlicht wurde. Den Kontext stellt die Übersetzungstätigkeit besonders A. W. Schlegels dar. Dieser begriff das poetische Übersetzen als die Grunddimension des menschlichen Selbst- und Weltverhältnisses. Das Übersetzen von Literatur stellt nicht nur ein Übertragen in eine andere Sprache dar, sondern ein poetisches Schaffen, bei dem der angelegte Kern durch die Übersetzung neu zur Blüte gebracht werden kann.

Schellings Aufsatz "Immanuel Kant" aus dem Frühjahr 1804 ist einer der ersten Nachrufe auf den gerade verstorbenen Königsberger Philosophen. Kants Philosophie wird von Schelling als die ideelle Erscheinung derjenigen Revolution begriffen, die die Französische Revolution im Reellen sei. In dem Text wird die Bedeutung der Persönlichkeit Kants für dessen Werk untersucht. Der Nachruf zeigt, wie weit Schellings Gedanken zum Thema Individualität und Persönlichkeit bereits zu diesem Zeitpunkt gediehen sind. In dem Text werden Aspekte der Methodologie-Vorlesungen aufgegriffen wie deren Geschichtsphilosophie und deren Bildungs- und Religionsphilosophie.

Mit dem vierten Werk "Philosophie und Religion" wird eine Kontroversschrift gegen A.C.A. Eschenmayer ediert, der um 1804 allgemein als Anhänger Schellings wahrgenommen wurde. Die zeitgenössischen Debatten um das Verhältnis von Glauben und Wissen, zugleich aber auch die in seiner Sicht problembesetzte Identitätsphilosophie Schellings suchte Eschenmayer mit seiner eigenen Konzeption einer Antwort zuzuführen. Er wollte den Glauben in einer begründenden Funktion für das Erkennen wie die Philosophie einführen. Schelling widersprach dieser Theorie wie auch den Vorwürfen Eschenmayers heftig. Er bekräftigte seine früheren Überlegungen zum Verhältnis von Philosophie und Religion, die er bereits bei seiner Beschäftigung mit den "Reden" Schleiermachers formuliert hatte. Einerseits darf die Philosophie und die Wissenschaft nicht durch die Religion beschränkt werden oder von ihr abhängig gemacht werden. Andererseits ist es das Anliegen Schellings, eine Möglichkeit aufzuweisen, philosophisch bzw. wissenschaftlich Religion zu beschreiben. – Die erklärenden Anmerkungen zeigen auf, inwiefern Schleiermacher und Fichte neben Eschenmayer die Gesprächspartner in "Philosophie und Religion" sind. Das Werk hat Schelling im klassischen Stil mit vielen Anklängen an Platon verfasst, was in den Anmerkungen ebenfalls aufgezeigt wird. Der Editorische Bericht bietet neben einer Einführung in die Kontroversen mit Eschenmayer, Schleiermacher und Fichte eine Skizze der Rezeptionsgeschichte des Werks. Schon bald konnte es dazu nutzen, hegelianische Perspektiven in das Denken Schellings einzutragen. Dies prägte das Schelling-Bild des 19. Jh.s stark. Bemerkenswert ist auch die Debatte des spekulativen Theismus um die Frage, inwiefern die Schrift von 1804 die Möglichkeit eines persönlichen Gottesgedankens biete.

An fünfter und letzter Stelle wird ein Aufsatz mit dem Titel "Ueber Göthe’s Eugenia" abgedruckt. Es lässt sich nicht ausmachen, ob Schelling oder seine Frau Caroline die anonym erschienene Besprechung des Werks "Die Natürliche Tochter" von Johann Wolfgang von Goethe verfasste. Die bis in die Gegenwart von der Goethe-Forschung kaum beachtete Besprechung ist weder eine Rezension zu der Druckfassung von Goethes "Natürlicher Tochter" noch eine Kritik seiner Aufführung im Theater dar. Es handelt sich eher um eine Besprechung der Darstellung der Hauptfigur. Es wird deren erster Eindruck geschildert. Dieser Eindruck wird in Form einer selbst poetischen Erläuterung des Stücks sowie in Form von Gedanken zur Intention und Gestaltung des Dichters dargelegt. Letztlich geht es auch hier wiederum um die Frage der Darstellung von Individualität und Persönlichkeit.

Der Band erschließt die einzelnen Werke Schellings durch Editorische Berichte und erklärende Anmerkungen sowie durch Sach-, Namen- und Ortsregister. Er wird von Patrick Leistner und Alexander Schubach herausgegeben und wird im Umfang von ca. 500 Seiten voraussichtlich 2019 erscheinen.

Institutionelle Kooperationspartner:

Texte:

  • Christopher Arnold, Die Theologietheorie der "Methodologie" im Lichte der theologischen Frühschriften Schellings, in: C. Danz (Hrsg.), Schelling in Würzburg (Schellingiana 27), Stuttgart-Bad Cannstatt 2017, S. 155–180. 
  •  

  • Christian Danz/Jörg Jantzen (Hrsg.), Gott, Natur, Kunst und Geschichte. Schelling zwischen Identitätsphilosophie und Freiheitsschrift, Göttingen 2011.
  • Christian Danz (Hrsg.), Schelling und die historische Theologie des 19. Jahrhunderts, Tübingen 2013.
  • Christian Danz (Hrsg.), Schelling in Würzburg, Stuttgart-Bad Cannstatt 2017.
  • Patrick Leistner, Schelling und Schleiermacher über das religiöse Symbol, in: Poetry and Theology, hg. v. Nicák Maroš, Prag 2018.
  • Patrick Leistner, Rekonstruktionen und Überlegungen zur Theorie des Autors bei Schelling, in: Wiener Jahrbuch für Theologie 2018.
  • Patrick Leistner, Schellings Identitätssystem und die Religion, in: Neue Zeitschrift für Systematische Theologie und Religionsphilosophie, Band 56, Heft 3 (2014), S. 331–347.
  • Patrick Leistner: Gott, die Natur der Welt und die Versöhnung. Ein Entwurf Schellings zum ›Abfall der Welt von Gott‹ aus dem Berliner Nachlass. In: Schelling-Studien. Internationale Zeitschrift zur klassischen deutschen Philosophie, Band 2 (2014), hrsg. v. Lore Hühn, Paul Ziche u. Philipp Schwab, Freiburg i. Br. / München 2014, S. 205–211.
  • Alexander Schubach: Reflexive Entwicklung und systematisch strukturelle Entfaltung des philosophischen Begriffs der absoluten Identität als Hinführung zu Schellings Würzburger System von 1804, in: Schelling in Würzburg, hg. v. Christian Danz, Stuttgart-Bad Cannstatt 2017.
  • Alexander Schubach: Die Frage nach dem Anfang der Philosophie. Hegels Phänomenologie des Geistes als wissenschaftliche Hinführung zum philosophischen System. In: Die Klassische Deutsche Philosophie und ihre Folgen. Hrsg. v. Michael Hackl / Christian Danz. Göttingen 2017.

Projektleiter

Herausgeber

Links:

Kontakt:

Prof. Dr. Christian Danz

Institut für Systematische Theologie und Religionswissenschaft

Universität Wien

Schenkenstraße 8-10

A-1010 Wien

Tel. +43-1-4277-32762

e-mail: christian.danz@univie.ac.at